Hinrichtungen: Todesstrafe als Herrschaftsinstrument
Während der jüngsten Eskalation mit Israel hat das iranische Regime die Repression im Inneren massiv verschärft – und die Zahl politisch motivierter Hinrichtungen weiter erhöht. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem gezielten Einsatz der Todesstrafe, um Proteste zu unterdrücken und die Bevölkerung einzuschüchtern.
Waffe gegen Proteste
Allein in den ersten vier Monaten 2025 wurden im Iran 343 Menschen hingerichtet – ein Anstieg um 75 Prozent [Heinrich-Böll-Stiftung] im Vergleich zum Vorjahr.
Politische Prozesse verlaufen oft ohne Rechtsbeistand, basieren auf erzwungenen Geständnissen und stützen sich auf vage Anklagen wie „Krieg gegen Gott“ oder „Korruption auf Erden“.
Besonders seit den landesweiten Protesten 2022 – ausgelöst durch den Tod von Mahsa (Jina) Amini – setzt das Regime Hinrichtungen wieder verstärkt als Abschreckungsinstrument ein.
Systematische Einschüchterung
Geständnisse werden nicht nur unter Folter erzwungen, sondern auch im Staatsfernsehen ausgestrahlt. Auch Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten sind zunehmend betroffen.
Diese Praxis, international heftig kritisiert, soll die öffentliche Meinung steuern und Widerstand im Keim ersticken.
Todesurteile gegen Aktivistinnen wie Pakhshan Azizi und Sharifeh Mohammadi [Heinrich-Böll-Stiftung] zeigen die geschlechtsspezifische Dimension der staatlichen Gewalt.
Gesellschaftliche Folgen
Die Auswirkungen reichen weit über die Betroffenen hinaus - Familien verlieren oft ihre Ernährer, Angehörige stehen unter massivem Druck zu schweigen.
Besonders Migrant*innen und von Armut betroffene Gruppen sind überproportional betroffen.
Angst und Unsicherheit treiben viele Aktivist*innen ins Exil – dennoch bestehen Netzwerke des Widerstands fort.
Aktueller Stand der Hinrichtungen
Die Repression verschärft sich: - Nach Angaben von Iran Human Rights (IHRNGO) wurden allein zwischen Januar und dem 23. September 2025 mindestens 1.000 Menschen hingerichtet [Iran Human Rights]
- Das UN-Menschenrechtsbüro dokumentierte bis Ende August mindestens 841 Hinrichtungen [UN-Menschenrechtsbüro] – die höchste Zahl seit über drei Jahrzehnten.
- Amnesty International bestätigt die Schwelle von über 1.000 Exekutionen [Amnesty International].
- Im Vergleich dazu waren es 2024 mindestens 901 Hinrichtungen [Reuters] (UN-Angaben).
- Ein Großteil der Todesurteile betraf Drogendelikte; nur ein kleiner Teil wird überhaupt offiziell von iranischen Behörden bekanntgegeben.
Allein im September 2025 registrierte IHRNGO mindestens 64 Hinrichtungen innerhalb einer Woche – über neun Exekutionen pro Tag.
Zu den o.g. Zahlen muss erwähnt werden, dass diese immer nur die bekanntgewordenen Hinrichtungen abbilden, die durch Menschenrechtsorganisationen ermittelt werden konnten.
Schwache internationale Reaktionen
Obwohl Menschenrechtsorganisationen und einige Politiker*innen immer wieder auf Einzelfälle aufmerksam machen, bleiben internationale Reaktionen meist symbolisch. Geopolitische Interessen, etwa im Zusammenhang mit Nuklearverhandlungen, überlagern häufig Menschenrechtsfragen.
Politische Forderungen
Damit sich etwas ändert, müsse jede Form der Zusammenarbeit mit Teheran an messbare Fortschritte bei den Menschenrechten geknüpft werden, betonen Expert*innen. Zudem seien gezielte Sanktionen gegen Richter, Staatsanwälte und Verantwortliche notwendig, die systematisch Hinrichtungen anordnen oder durchführen.
Fazit: Solange es keine ernsthaften politischen Konsequenzen gibt, wird das Regime die Todesstrafe weiter als Herrschaftsmittel einsetzen – mit gravierenden Folgen für Gesellschaft und Opposition im Iran.
Quellen
https://www.boell.de/de/2025/07/08/iran-nutzt-todesstrafe-als-instrument-der-herrschaft-und-unterdrueckung
Iran nutzt Todesstrafe als Instrument der Herrschaft und Unterdrückung
Heinrich-Böll-Stiftung
https://www.iranhr.net/en/articles/8065
1000 Executions in 2025; Record Number in 30+ Years
Iran Human Rights
https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/09/iran-over-1000-people-executed-as-authorities-step-up-horrifying-assault-on-right-to-life/
Iran: Over 1,000 people executed as authorities step up horrifying assault on right to life
Amnesty International
https://www.ohchr.org/en/press-briefing-notes/2025/08/iran-call-halt-increasing-executions-and-impose-moratorium-death
Iran: Call to halt increasing executions and impose moratorium on death penalty
UN-Menschenrechtsbüro